Vom Eise befreit sind Strom und Bäche

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Frühling lässt sein blaues Band

Wieder flattern durch die Lüfte

Süße, wohlbekannte Düfte

Streifen ahnungsvoll das Land (…)

 

Treffender als der Dichter Eduard Mörike kann man den Einzug des Frühlings wohl kaum in Worte fassen. Sie ist wieder da, die warme Jahreszeit. Der Schnee hat sich zurückgezogen und die zuvor bedeckten Flecken Erde wieder freigegeben. 

Nun sprießen die ersten Blumen, die Luft beginnt sich angenehm zu erwärmen und man verlässt das Haus zum ersten Mal im Jahr ohne Haube und Schal. Das Frühjahr markiert das Ende der finsteren Winterzeit und stellt seit Menschengedenken ein Zeichen der Aufbruchsstimmung dar. 

„Frühling ist Leben der Liebe und Liebe Frühling des Lebens“

Des Frühlings zweiter Name lautet Lenz. Ein Begriff, der sich auf das Indogermanische zurückverfolgen lässt und so viel wie lang bedeutet. Der Ausdruck bezieht sich auf die länger werdenden Tage in der warmen Jahreszeit. Das Steigen der Temperaturen geht oftmals mit einem Rausch der Gefühle einher. Nicht umsonst spricht man von Frühlingsgefühlen, die sich erwiesenermaßen sogar medizinisch erklären lassen. Vielleicht liegt es an ihnen, dass viele Brautpaare die Monate April und Mai für ihre Hochzeit auswählen. Möglicherweise sprechen aber auch das warme Wetter sowie das Aufleben der Natur dafür, den schönsten Tag des Lebens in diesem Zeitraum zu feiern. 

Die Mehlspeisen und der Frühling

Das Aufblühen der Natur im Frühjahr beeinflusst seit jeher nicht nur den Gemütszustand der Menschen, sondern auch das Backverhalten und den Konsum der Backwaren: Denn der Genuss von Mehlspeisen verlagert sich mit dem Einzug des Lenz‘ zunehmend nach draußen: Herrliche Caféterrassen öffnen, die teils atemberaubende Blicke auf die Dächer von Städten bieten und Außenbereiche von Konditoreien, die sich nicht selten auf historischen Stadtplätzen befinden, laden zum Verweilen und Schlemmen in imposanter Atmosphäre ein. 

Religiöse Feste im Frühling 

Mit Beginn des Frühlings erwacht die Erde zu neuem Leben. Nicht umsonst fällt Ostern – das Fest der Auferstehung Jesu Christi – in genau diese Zeit. Der Ostersonntag sowie die ihm vorangehende 40-tägige Bußzeit stehen in Verbindung mit einer Reihe an Traditionen und religiösen Bräuchen. Dabei ist die kulinarische Rolle der österreichischen Mehlspeise nicht zu verachten: Denn was wäre ein Osterfest ohne Osterpinzen, Osterstriezel und Osterkipferl?   

Warten auf den Frühlingsvollmond

Im Gegensatz zu Weihnachten, das jedes Jahr am 24. Dezember stattfindet, gibt es für das Osterfest kein fixes Datum. Das liegt daran, dass sich das Datum des Ostersonntags nach dem Mond richtet. So wird am ersten Sonntag nach dem ersten Frühlingsvollmond die Auferstehung Jesu gefeiert. Da der Frühling laut Kalender am 20. März ins Land zieht, kann der Ostersonntag frühestens auf den 22. März und spätestens auf den 25. April fallen. 

Es ist das Osterfest alljährlich für den Hasen recht beschwerlich

So sehr Wilhelm Busch mit diesem Zitat den Osterhasen auch bemitleidet, für die Kinder ist das Häschen an Ostern nicht wegzudenken. Es tut sich jedoch die Frage auf, wieso am Ostersonntag gerade ein Hase den Kindern mit Geschenken und Süßigkeiten Freude bereitet.

Dafür gibt es verschiedene Erklärungen. Eine Theorie stützt sich darauf, dass es sich beim Hasen um ein Symbol für Fruchtbarkeit und das Leben handle, das Tier sei dementsprechend als Gottes Bote anzusehen. Außerdem gilt es als ein Überbringer des Frühlings, in dem die Natur zu neuem Leben erwacht. Ein anderer Erklärungsversuch bezieht sich ebenso auf den Hasen als Frühlingsboten, da mit dem Ende des Winters wilde Hasen in die Städte kamen, um dort Fressen zu finden. 

Manche Deutungen wiederum haben religiöse Hintergründe. So soll sich bei katholischen Familien während der Fastenzeit ein großer Vorrat an Eiern angehäuft haben. Als Grund dafür nannten protestantische Eltern den Osterhasen, um ihre Kinder nicht mit dem Fastenbrauch der Katholiken in Berührung zu bringen. Möglicherweise ist das Aufkommen des Osterhasen aber auf das bekannte Dreihasenmotiv zurückzuführen, bei dem die Löffel dreier Hasen zu einem Dreieck verschmelzen und so die Dreifaltigkeit Gottes darstellen. Früher wurden Ostereier mit dem Motiv bemalt, das unter Umständen dem Osterhasen als Vorlage diente. 
 

Die Frage nach dem Ei

Das Bemalen und Suchen von Eiern gehören wie der Osterhase zum Osterbrauchtum. Es ist aber erst 100 Jahre her, dass man sich auf die Suche nach Eiern machte – und die versteckte zunächst nicht der Osterhase, sondern andere Tiere wie beispielsweise ein Kuckuck, ein Storch oder gar der sogenannte Ostervogel. Die gefiederten Überbringer der Eier flogen am Gründonnerstag nach Rom, um dort ihre Lieferung abzuholen. Zwei Tage später, am Karsamstag, machten sie sich auf den Weg zurück und ließen die Eier beliebig in die Felder und Gärten der Menschen fallen. Am Tag darauf, am Ostersonntag, konnten sich die Kinder schließlich auf die Suche nach den Eiern machen. Heutzutage wird nicht mehr bloß nach Eiern, sondern meistens nach ganzen Nestern gesucht. Darin befinden sich neben Eiern auch Süßigkeiten und Spielsachen. Während die Eiersuche auf amüsante Erzählungen über diverse Vögel zurückgeht, hat das Bemalen der Eier wiederum einen religiösen Hintergrund. Ursprünglich wurden die Eier rot bemalt, um das vergossene Blut Jesu zu symbolisieren. Im Laufe der Zeit leuchteten die Eier auch in anderen Farben und wurden ebenso mit verschiedenen Motiven verziert.