Tradition & Moderne

Foto: Konditorei Lienbacher

Mit ganzem Herzen unterstützt Ernst Lienbacher die Initiative „Österreichische Mehlspeiskultur", denn sie ist für ihn einzigartig. Das besonders Schöne sieht er in den unterschiedlichen kulturellen Einflüssen, die sich in Österreich in diversen Produkten manifestieren.

So nennt er sogleich ein Beispiel, den Kärntner Reindling, der in Slowenien Pohaca genannt wird. Jedes Jahr findet in Ferlach – der südlichsten Stadtgemeinde Österreichs – das Rosentaler Pohaca-Fest statt. 2018 wurden zur Prämierung über 70 Pohacen zur Bewertung eingereicht und nur einer konnte gewinnen.

Wo das Traditionelle und das Moderne nah beisammen liegt

Seit 1986 führt Ernst Lienbacher gemeinsam mit seiner Gattin, die ebenfalls Konditormeisterin ist, den von seinem Vater 1956 gegründeten Betrieb. Er lernte das Handwerk vom Vater und perfektionierte es bei Volontäraufenthalten in der Konditorei Musil in Klagenfurt, die es heute leider nicht mehr gibt sowie in der Konditorei Oberlaa, wo er „Schüler“ des großen Meisters Karl Schuhmacher war. In diesem Zusammenhang ist das Standardwerk Schuhmachers „Die Wiener Süßspeisen“ für Konditoren und Interessierte zu nennen. Schuhmacher gelang es, die Brücke zwischen der traditionellen Konditorei und der modernen Patisserie zu schlagen, in der zum Bespiel leichtere Cremen zum Einsatz kommen. So sieht sich auch Ernst Lienbacher der Weiterentwicklung traditioneller Rezepte verpflichtet und schafft immer wieder neue Kreationen. Was für ihn dabei gar nicht in Frage kommt, ist das blinde Übernehmen von Trends und spricht dabei konkret die Cupcakes und Muffins an, die aus seiner Sicht nichts mit der österreichischen Backtradition zu tun haben.

Original Kärntner Grantngugelhupf – ein streng gehütetes Geheimnis

Der Grantn-Gugelhupf, eine Butterkuchenmasse verfeinert mit Marzipan, Preiselbeergelee und ganzen Cranberries, ist für ihn in mehrfacher Hinsicht ein positives Beispiel. Wer nun einwendet „was haben Cranberries mit österreichische Mehlspeiskultur zu tun?“, dem erwidert der Konditormeister: „Manche Ingredienzien wie Rosinen und eben Cranberries sind halt in der Region nicht erhältlich“. Gemeinsam mit Norbert Claus, einem Kollegen aus Seeboden entwickelte Lienbacher diese süße, saftig fruchtig schmeckende Köstlichkeit, die sich auch durch eine besondere Verpackung auszeichnet, die von einem innovativen Kärntner Unternehmen hergestellt wird. Mittlerweile bieten mehrere Konditoren diese Kärntner Spezialität unter diesem Branding an. Leider ist das Grantn-Gugelhupf-Rezept ein streng gehütetes! Wer den Grantn-Gugelhupf genießen möchte, kann diesen sehr gerne in der Konditorei Lienbacher und einigen anderen Kärntner Konditoreien erwerben.

Qualität ist kein Zufall

Wie man aus der Not eine Tugend macht, bewies Ernst Lienbacher gemeinsam mit seiner Gattin schon sehr bald. Mit den Produkten der großen renommierte Konfekt- und Schokoladeproduzenten ließ sich kein Geschäft mehr machen. Lag doch der Einkaufspreis der Konditorei für die gleichen Produkte über dem Letztverbraucherpreis im Supermarkt. So stieg das Ehepaar bereits 1986 in die Trüffelproduktion ein. Behutsam, Schritt-für-Schritt entwickelte sich daraus bis heute ein Sortiment von 16 verschiedenen Trüffeln. Seit 2002 wird auch eine eigene Schokolade produziert. Geschmackliche Vielfalt sowie saisonal unterschiedlich gestaltete Verpackungen erfreuen das Herz der Kunden. „Nie etwas kopieren und Qualität ist niemals Zufall", so Lienbacher und weiter „man muss sich um jedes noch so kleine Detail bemühen, jeden Tag aufs Neue“. Bei diesen Worten sieht man das begeisterte Funkeln in seinen Augen! Ernst Lienbacher ist ein Botschafter der „österreichischen Mehlspeiskultur“, der für seinen Beruf brennt, sein Wissen gerne weitergibt und sich für die gesamte Berufsgruppe mit Begeisterung einsetzt. Das erklärt auch, dass er schon in der zweiten Periode Landesinnungsmeister der Konditoren in Kärnten ist und gemeinsam mit Leo Forsthofer das Buch „Süße Kunst“ herausgegeben hat. Die Initiative „Österreichische Mehlspeiskultur" empfindet Lienbacher darüber hinaus als wohltuend, zumal dem Handwerk aus verschiedenen Seiten der Wind ins Gesicht bläst. Der Konditormeister freut sich, dass dem Handwerk damit entsprechender Stellenwert und gebührende Wertschätzung entgegengebracht wird. Ehre, wem Ehre gebührt!