Slow Food Travel – Reisen zu den Wurzeln unserer Lebensmittel

Foto: SFT Backstube Matitz

Viele Wege führen nach Rom – einer davon über den Südwesten Kärntens. Und genau dort findet man entlang der bekannten Alpe-Adria-Strecke, die vom Großglockner bis zur Adria führt, zahlreiche Slow Food Travel-Erlebnisse. Kulinarik-Touristen reisen bewusst in die versteckten Täler, hin zu den Menschen und ihren Geschmäckern.

 

Zurück zu den Ursprüngen unserer Esskultur lautet der Tenor bei den Fans der „Slow Food Travel“-Bewegung. Sämtliche teilnehmende Betriebe setzen auf handgefertigte, zeitaufwändig hergestellte Rohstoffe und Lebensmittel. Die Touristen können bei der Fertigung zusehen und die Herstellung sogar selbst erlernen. Viele teilnehmende Betriebe bieten eigene Workshops und Koch- bzw. Backkurse an wie zum Beispiel: „Mohnreindling backen mit dem Lesachtaler Schlafmohn“, „Lesachtaler Brot backen“, „Von der Blüte bis zum Lesachtaler Honig“, „Buttermachen auf der Bischofalm“, „Eisherstellung am Bauernhof“, „Kochen und Backen mit Kindern“ u.v.m.

Original Gailtaler Landmais Reindling – 150 Jahre altes Rezept

Wer sich auf die Pfade der Slow Food Travel Route begibt, kommt an der Bäckerei Matitz – die die Ortsansässigen eigentlich nur unter dem Namen „Stieflbäck“ kennen – nicht vorbei. Seit Jahrhunderten ticken die Uhren hier langsamer. Der Name rührt vom Urgroßvater Thomas Steiner her, der einst als kleiner Junge immer über den sogenannten „Stiefl-Zaun“ geklettert ist, der hinter dem Betrieb auf eine Viehweide führte. Der „Stieflbäck“ übernahm den Betrieb 1902 vom Dorfbäcker, heute wird er in vierter Generation von Thomas Matitz und seiner Frau Angelika geführt. Mehr als 100 Jahre später hat sich an einigen Rezepturen jedoch nicht viel geändert. Der Original Gailtaler Landmais-Reindling wird heute noch genauso zubereitet wie vor 150 Jahren. Täglich wird er händisch geknetet, ebenso wie der daraus entwickelte Hanfsamenreindling mit geschroteter Bio-Hanfsaat. 

Slow Food: gut, sauber und fair

„Unsere Köstlichkeiten sollen den vollen Geschmack entfalten, die Landwirte für die aufwendige Arbeit und die hohe Qualität der produzierten Lebensmittel entsprechend bezahlt werden. Und ein weiteres wichtiges Kriterium ist der gewissenhafte Umgang mit den Ressourcen“, erklärt Angelika Matitz die Kriterien, die ein Slow Food Travel Betrieb erfüllen muss. Die authentische Art zu Backen und zu Leben zieht Jahr für Jahr mehr Touristen an. Die Route durchs Gail-Gitsch-Lesachtal ist Teil der mehrfach ausgezeichneten Slow Food Travel Region. Bei hauseigenen Back-Kursen wird von der Familie Matitz jahrhundertealtes Wissen weitergegeben. „Die Kurse kommen sehr gut an, da wir authentisch sind und das Erlernte auch zu Hause in der eigenen Küche umsetzbar ist“, erklärt Matitz.

„A Dirndl, wos nit krendln kann, findet koan Mann!”

Ähnlich beliebt sind auch die Nudel-Workshops der Slow Food Köchinnen Ingeborg und Gudrun Daberer im Gasthof Grünwald in St. Daniel (Dellach im Gailtal). Bei Nudl-Kudl-Mudl kommen auch Mehlspeisfans auf ihre Kosten – schließlich kann man die original Kärntner „Nudln“ – die den meisten nur herzhaft bekannt sind – auch süß füllen: Wie wäre es mit Orangen-Kastaniennudl, Schwarzer Ribiselnudl, Kletzennudl, Apfelnudl, Marillen-Safrannudl, Nussnudl, Mohn-Nougatnudl, Grantnnudl oder Lebkuchennudl? Doch das sogenannte „Krendeln“, ein alter Brauch des kunstvollen Nudelverschließens mit kunstvoller Verzierung wie gehäkelte Spitzen, will gelernt sein. Über Generationen wurde diese Technik in Kärnten von Müttern an die Töchter weitergegeben. Man kann getrost von der hohen Kunst des Krendelns sprechen! Doch gutes Aufpassen lohnt sich: Denn nach Kärntner Brauchtum gilt – nur, wer ordentlich krendeln kann, ist heiratsfähig! Ausgebacken werden die süßen Nudeln dann natürlich in Butterschmalz – gemäß dem Sprichwort: „Der Bua, der sei Dirndle beim Tanzen net halst, ist grod wie die Bäuerin, dö die Nudeln net schmalzt.“ Weitere Infos und Programme der aktuellen Slow Food Travel Erlebnisse sind unter www.slowfood.travel zu finden.