Pflanzzeit: Vom Baum genascht schmeckt’s am besten!

Dominik Schreiber von der Baum- & Rebschule Schreiber

Foto: Dominik Schreiber von der Baum- & Rebschule Schreiber

Erst raus in die Natur, hin zu den Sträuchern und Bäumen. Ernten, was die Natur uns Kostbares schenkt. Natürlich ein bisschen davon naschen. Dann rein in die Küche und hin zum Backofen, um mit dem frischen Obst einen köstlichen Kuchen zuzubereiten – Mehlspeisherz, was willst du mehr?

Damit man auch heuer beim Backen wieder auf frisches Obst, Beeren und Gemüse zurückgreifen kann, gilt es jetzt an das Anpflanzen zu denken. Dominik Schreiber von der Baum- und Rebschule Schreiber in Poysdorf hat die besten Pflanztipps für Mehlspeisfans vorbereitet: 

Jetzt Obstbäume anpflanzen!

Die beste Pflanzzeit für wurzelnackte Obstbäume ist spät im Herbst oder zeitig im Frühjahr – d. h. entweder im November oder im März. Lediglich windfrostempfindliche Obstarten wie Pfirsiche, Nektarinen, Mandeln, Maroni und Walnüsse pflanzt man am besten zeitig im Frühjahr. Holt man die Bäume in der Baumschule ab, sollte man beim Transport die Wurzeln vor Sonne, Luftzug, Wind und Frost schützen. Werden die Bäume zugeschickt, sollte man bald die Verpackung entfernen und die Bäume über Nacht ins Wasser stellen.

Anschließend werden alle Wurzeln der Bäume 1 – 2cm angeschnitten, um die Wundreizwurzelbildung zu fördern und das Wurzelwachstum zu verstärken. Danach wird der Baum in das Pflanzloch gesetzt. Die ideale Pflanztiefe ist dabei die Gleiche wie in der Baumschule. Dies kann man normalerweise an der Holzverfärbung erkennen. Die Veredelungsstelle sollte deutlich aus dem Boden herausragen und darf nicht mit eingegraben werden. 

Wer kräftig zurückschneidet, spart dem Baum Stress

Der wichtigste Schnitt im Leben eines Baumes ist der Pflanzschnitt. Je kräftiger ein Baum bei der Pflanzung zurückgeschnitten wird, desto weniger Stress hat er beim Einwurzeln. Auch, wenn es oftmals schwer fällt, bereits schön verzweigte Bäume bei der Pflanzung nochmal zurückzuschneiden, zeigt sich der positive Effekt meist schon im ersten Jahr. Bei der Pflanzung zurückgeschnittene Bäume haben bessere Anwuchsraten und ein kräftigeres Wachstum im ersten Standjahr. Kronenwachstum geht dabei auch immer mit Wurzelwachstum einher. Je stärker das Kronenwachstum, desto stärker auch das Wurzelwachstum. 

Wie stark soll ich zurückschneiden?

Als Regel für den Pflanzschnitt kann man festhalten, je kräftiger der Baum in der Baumschule gewachsen ist, desto stärker sollte der Pflanzschnitt erfolgen. Generell wird empfohlen:

  • Kernobst um 1/3 (Apfel, Birne, Quitte etc.) zurückschneiden
  • Steinobst um 1/2 (Marille, Zwetschke, Kirsche etc.) zurückschneiden
  • Pfirsich und Nektarine um 2/3 zurückschneiden

Dabei werden alle Seitentriebe inklusive der Stammverlängerung eingekürzt. Als Richtwert für eine angemessene Höhe des Anschnitts der Stammverlängerung kann bei Kernobst 1/3 der Höhe ab der höchsten Seitenverzweigung angenommen werden. Bei Steinobst beläuft sich dieser Rückschnitt wiederum auf die Hälfte, bei Pfirsich und Nektarine auf 2/3. 

Mit gezielten Schnitten Wunden vermeiden

Unerwünschte Äste für die spätere Baumerziehung werden ebenso entfernt wie Konkurrenzäste. Um große Wunden am Hauptstamm zu vermeiden und Triebe in gewünschten Positionen nicht ganz zu verlieren, kann auch auf einen lebendigen Stummel geschnitten werden. Dabei spricht man von Stummeln mit ca. 10 cm. Da sich auf diesen Stummeln im Regelfall immer Holzknospen befinden, treibt ein auf 10 cm zurückgeschnittener Trieb meist mit wenigen starken und manchmal auch mit einigen schwachen Trieben wieder aus. Dieses Wachstum sorgt für eine gute Wundheilung des zurückgeschnittenen Triebes. Auf den Neuaustrieb mit dem besten Wuchsstärkenverhältnis zum restlichen Baum und mit der günstigsten Position kann im Folgejahr abgeleitet werden. Die immer noch zu starken Triebe werden dabei entfernt. 

Wie kann ich unverzweigte Bäume korrekt anschneiden?

Wenn unverzweigte Bäume gepflanzt werden, sollte knapp über der gewünschten Verzweigungshöhe angeschnitten werden. Meist reagieren Bäume anschließend mit 1-3 steil stehenden, sehr wüchsigen Trieben, die je nach Erziehungsform anschließend als Leitäste aufgebaut werden können, oder wieder auf einen schön wachsenden Trieb reduziert werden, um Konkurrenzäste zu vermeiden. Danach sollten die Obstbäume jährlich geschnitten werden. Es gilt: „Will man einen Baum wachsen sehen, schneidet man ihn im Winter. Will man den Baum tragen sehen, schneidet man ihn im Sommer.“ 

Saisonales Backen mit Obst

„Wer säet, der erntet.“ Dieses Zitat aus dem Alten Testament gilt natürlich auch für alle Hobbygärtner. Egal, ob Obst aus dem eigenen oder Nachbars Garten, vom regionalen Obstbauern oder aus dem Handel – beim Backen gilt: Je frischer, desto besser! Deshalb empfehlen wir beim Zubereiten von Mehlspeisen vor allem auf saisonale Zutaten zurückzugreifen. Im Laufe der langjährigen Geschichte unserer Mehlspeiskultur sind gerade wegen der Besonderheiten der Jahreszeiten, also den „Backsaisonen“ mit ihren spezifischen Erntemöglichkeiten, zahlreiche Rezepte von Klassikern wie Apfelstrudel, Marillenknödel oder Zwetschkenfleck entstanden.