"Ich hab mir einen Traum erfüll"

Foto: schatz-konditorei.at

Konditormeister Erich Winkler ist der überzeugende Beweis, dass Arbeit Freude bereiten und auch fit halten kann. Am 21. Mai feierte der langjährige Innungsmeister der Salzburger Konditoren seinen 83. Geburtstag. Seine Begeisterung für den Beruf und die Qualität ist ansteckend, seine Gedanken, worauf es im (Berufs-)Leben ankommt, wirken inspirierend.

Seine Neugierde und sein Streben nach Produktoptimierung sind ungebrochen. Nicht der Preis, nicht die rationelle Produktion treiben ihn an. Nein – die Qualität ist sein Credo! Das beginnt bei den Rohstoffen. Dabei kommt er ins Schwärmen. Er lobt die österreichischen Rohmaterialien und ist dankbar, dass sie in dieser Qualität zur Verfügung stehen. Wenn er von seinen Rezepten ganz offen spricht, darf die Teebutter mit frischer Salzburger Milch nicht fehlen. Alleine der Gedanke an den Geruch der frisch angelieferten Butter zaubert begeistertes Funkeln in seine Augen. Apropos Rezept, gerne gibt er Gästen Auskunft, worin das Geheimnis – zum Beispiel seines warmen Topfenstrudels – liegt. Dass der Topfenstrudel, wie auch der Apfelstrudel ausnahmslos ohne Vanillesoße serviert wird, versteht sich für ihn von selbst!

Unbändige Liebe zum Produkt

Ein Geheimnis – aus dem er kein Geheimnis macht – liegt wohl darin, dass man eine besondere Beziehung zu den Rohmaterialen entwickeln muss. Die Materialen verstehen, mit ihnen leben und ständig daran arbeiten. Immer wieder abschmecken und verfeinern. Nur damit schafft man ein optimales Endprodukt. „Keine Kompromisse, keine Zusatzstoffe“, so bereitet er Erdbeer- oder Himbeer-Melba in der Backstube selbst zu. Die „kleine“ Konditorei liegt in prominenter Lage: Salzburg, Getreidegasse 3, unweit von Mozarts Geburtsthaus. Im sogenannten „Schatz-Durchhaus“, ein wenig versteckt, ein wenig verträumt. Von der Lage, der Architektur und dem gesamten Ambiente einfach bezaubernd und ein lieblicher Kontrapunkt zur „High-Speed“ Gesellschaft.

Geprägt von frühkindlichen Erlebnissen

Erich Winkler ist ein Mann, der in Dankbarkeit auf ein erfülltes Leben blickt – mit zwei Töchtern, einem Sohn und sieben Enkeln. Beruflich verfügt er über einen florierenden Betrieb, der weit über die Grenzen Salzburgs hinaus bekannt ist und 20 Mitarbeiter beschäftigt, davon drei Lehrlinge in der Backstube. Seit langer Zeit beeindruckt er mit einer Karriere,  die er sich damals als neunjähriges Kind in den kalten Frühjahrsmonaten des Jahres 1945 wohl kaum erträumen hätte können. Seine Eltern flohen aus Feldbach in der Steiermark vor den Bombardements der Alliierten in acht Tagen und sieben Nächten über Salzburg nach Mondsee. Strapazen, die man sich nur schwer vorstellen kann, wie er sich erinnert. Das Haus seines Onkels in Mondsee wurde für die Familie Winkler die neue Heimat. Es sind wohl die Erinnerungen an die äußerst bescheidenen materiellen Verhältnisse und die ausgesprochen tolle familiäre Geborgenheit, die ihm seine Eltern zuteil werden ließen, die sein Leben bis heute prägen. Ein Ferialjob in der Konditorei Frauenschuh in Mondsee sollte sein Leben für immer verändern. Konditormeister Hans Frauenschuh war von seinem Fleiß so begeistert, dass er ihn als Lehrling dauerhaft einstellen wollte.  Obwohl ursprünglich eine Fernmeldetechnik-Ausbildung geplant war, ließen ihm die Eltern freie Wahl. Er überlegte reiflich: Was will wirklich? Er entschied sich für die Konditorlehre.  Die weiteren Stationen führten ihn nach Wien in die Konditorei Lehmann sowie in das Mövenpick in der Schweiz. Der Österreichische Hof und das Hotel Pitter in Salzburg waren weitere Stationen bevor er 1983 mit seiner Gattin den Betrieb im Schatz-Durchhaus übernommen hat. Er brennt bis heute für seinen Beruf. Er schätzt seine Mitarbeiter als Garanten für Qualität und legt Wert auf ein äußert positives Betriebsklima. Wohl ein Grund, dass es so gut wie keine Mitarbeiterfluktuation gibt. Er freut sich über das viele Lob seiner netten und freundlichen Kunden. Der schönste Qualitätsbeweis ist wohl darin zu sehen, wenn Kunden aus Nah und Fern extra einen „Abstecher“ nach Salzburg in die „kleine“ Konditorei machen, um die süßen Köstlichkeiten aus dem Hause Schatz zu genießen.