Habsburgs Mehlspeisen

Foto: Kupferformen aus der Silberkammer/Hofburg Wien © Bundesmobilienverwaltung

Österreich und Mehlspeisen gehören einfach zusammen. Kein Land der Welt ist so bekannt für seine Kreationen wie Kaiserschmarrn, Bauernkrapfen, Sachertorte, Palatschinken und vieles mehr. Auch gibt es nur in Österreich die Bezeichnung „Mehlspeise“. Eng verbunden mit der Geschichte der Mehlspeise ist die Familie Habsburg, welche für mehr als 600 Jahre in Österreich regierte. Im folgenden Beitrag erfährst du mehr über diese süße Verbindung.

 

Die „Kaiser“-Speisen

Noch bevor Mehlspeisen adeligen Persönlichkeiten gewidmet wurden, wurde die Bezeichnung der „Kaiser“-Speise verwendet. Dadurch sollte die besondere Qualität und der umwerfende Geschmack betont werden. Bekannte Beispiele sind die Kaisersemmel, das Kaiserkipferl, der Kaiserkrapfen, der Kaiserkuchen und das Kaiserschnitzel.  

Die Mehlspeisen der Habsburger

Mit Ende des 19. Jahrhunderts kam der Trend auf, Speisen berühmten – zur damaligen Zeit adeligen – Persönlichkeiten zu widmen. Zu erwähnen ist, dass die Speisen nicht immer dem persönlichen Geschmack der betroffenen Person entsprachen. 

 

Ein sehr bekanntes Beispiel sind die Elisabethschnitten, die der Kaiserin Elisabeth – auch Sisi genannt – gewidmet wurden. Die Schnitten bestehen aus einem Mürbteig, einer Schaummasse aus Erdbeeren und einer Schokoladenglasur. Hier ist anzunehmen, dass die Kaiserin mit der Widmung einverstanden war, denn trotz des sehr sportlichen und figurbewussten Lebensstils war die Kaiserin Süßspeien zugetan.

 

Auch Kaiser Franz Joseph war ein großer Liebhaber der österreichischen Mehlspeisen. Zu seinen Lieblingsspeisen gehörten der Gugelhupf und der Kaiserschmarrn. Zur Kreation des Kaiserschmarrns gibt es viele verschiedene Legenden. Eine besagt, dass dieser anlässlich der Hochzeit von Franz Joseph und Sisi kreiert wurde und zunächst „Kaiserinschmarrn“ genannt wurde. Da jedoch der Kaiser so begeistert war, wurde er in „Kaiserschmarrn“ umbenannt.    

 

Auch erwähnt sei die berühmte Esterházy Torte, welche nach Paul III. Anton Esterházy de Galantha benannt ist. Dieser war kein Habsburger, hatte aber als Außenminister der k. u. k. Monarchie eine wesentliche Rolle inne. Die Torte besteht aus mehreren Schichten Mandel- oder Haselnussboden und Vanillebuttercreme. Seitlich wird sie mit Krokrant verkleidet. Zum Abschluss folgt die Krönung mit Fondantglasur, auf welcher das typische Esterházy-Tortenmuster mit flüssiger Schokolade gezeichnet wird. 

Einblicke in die Mehlspeisküche

Um den süßen Vorlieben der Kaiserfamilie – wie oben beschrieben – gerecht zu werden, brauchte die Hofzuckerbäckerei und Mehlspeisküche ein großes Sortiment an Backformen (siehe Foto). Als Material wurde damals vorwiegend Kupfer verwendet, da es Wärme gut leiten konnte. Problematisch an dem Material war jedoch, dass es jedes Mal, bevor es verwendet werden konnte, auf den giftigen Grünspan untersucht werden musste.  

 

Wer noch mehr über den Kaiserhaushalt und die Tafelkultur der Habsburger erfahren möchte, der sollte unbedingt das Sisi Museum in der Wiener Hofburg besuchen. In der „Silberkammer“ wird gezeigt, welche Aufgaben die Hofküche hatte und welche Unmenge  an Besteck, Porzellan und Backformen verwendet wurden. Ein wahres Stück österreichischer Mehlspeiskultur.