Genussvolles Brauchtum: Vom Ahnlküpfi bis zum Godnstriezel

Foto: Ostern in Kärnten - © Steinthaler/Kärnten Werbung

Das Schönste ist wohl das Leuchten in den Augen der Kinder, wenn die Omi am „Ahnlsonntag“ das köstlich duftende Kipferl überreicht. Die Kleinen können es kaum erwarten, den Hagelzucker abzuschlecken und in das kunstvoll geflochtene Meisterwerk hineinzubeißen. Momente, an die man sich auch als Erwachsener noch gerne zurückerinnert.

Germteig bietet sich aufgrund seiner leicht formbaren Konsistenz für vielfältige Kunstwerke an. Seit Jahrhunderten werden daraus Striezel geflochten, Kipferl gedreht oder Gebilde – vom Osterhasen bis zum Silvesterschweinderl – geformt. Nicht zuletzt deshalb gibt es zahlreiche regionale Traditionen, die sich um diese dezent-süße Mehlspeise drehen:

Palmbrezeln für die Palmbuschen

Das Backen mit Germteig beginnt in vielen Bundesländern bereits vor Ostern. So werden beispielsweise in Salzburg oder Tirol süße Palmbrezeln für den Palmsonntag gebacken. Diese basieren auf einem Germteig, der zu einer Brezel geflochten wird. Bei der Prozession am Palmsonntag werden die Brezeln auf die selbst gemachten Palmsträuße oder -stangen der Kinder gebunden. Dafür werden von den Kindern gemeinsam mit den Eltern Palmkätzchen und Ölzweige zusammengebunden und mit den süßen Brezeln verziert. Einst galt derjenige als der „Palmesel“, der seine Palmlatte nicht mehr tragen konnte. Nach der Weihe werden die Palmbrezeln direkt von den großen und kleinen Messebesuchern verspeist.

Kein Ostern ohne Pinze

In den südlichen Bundesländern Österreichs darf bei der Osterjause eine Pinze nicht fehlen. Dieses klassische Ostergebäck besteht aus glasiertem Germteig (mit hohem Eianteil), der am oberen Rand dreimal mit einer Schere eingeschnitten wird. In die Mitte der Vertiefung steckt man nach dem Backen ein rotes Osterei. Das Ei symbolisiert Reinheit, Fruchtbarkeit und gilt als Opfer- oder Liebesgabe. Ein rotes Ei (in Erinnerung an das Blut Christi sowie das Leben) soll besonders viel Glück bringen. Am Karsamstag werden die Pinzen gemeinsam mit anderen Köstlichkeiten (Eier, Kren, Brot, Schinken, Würste etc) im mit einem bestickten Tuch abgedeckten Osterkorb in der Kirche geweiht. Im Volksbrauchtum gelten das an der Ostervigil gesegnete Feuer sowie die gesegneten Speisen als Symbole für das Leben.

Ursprünglich wurzelt das Back-Brauchtum jedoch in Venetien, wo man die „pinza“ (Schere) seit Jahrzehnten in der Zeit nach Weihnachten herstellt. Geschichtlich gesehen wird vielfach ein Bezug zu alten Kulturvölkern hergestellt, die im Frühling zu Ehren der Sonne Hefebrote in Sonnenform backten. Im 19. Jahrhundert wurde das Rezept der Pinze von Görz (Friaul) ausgehend nach Österreich gebracht. In der Nachkriegszeit wurde die Osterpinze, die an ein Priesterbarett (Kopfbedeckung christlicher Geistlicher) erinnert, zur beliebten Brauchtumsbäckerei. Bis heute gehört für viele Österreicher eine flaumig-weiche, buttrige und leicht nach Anis duftende Pinze zum Osterfrühstück einfach dazu. Doch an einer Frage scheiden sich die Geister: Mit oder ohne Rosinen?

Der Tiroler Gotlpack

Osterpinzen finden sich in Tirol häufig auch im sogenannten „Gotlpack“, einem Geschenk der Taufpaten an ihre „Gotlkinder“ (Täuflinge). Früher wurde dabei häufig ein Gebildbrot – zum Beispiel in Form von Hase, Henne, Pferd oder Hirsch – mit eingepackt. Auch aus Teigsträhnen geflochtene Nesterl, Osterkörbchen, Striezel, Brezen, Kränze oder Zöpfe wurden verschenkt. In der Regel enthalten die Rezepturen viele Eier, da die Eierpreise in der Osterzeit sehr niedrig waren. Überreicht wird das „Gotlpack“ dann beim traditionellen österlichen Besuch bei den Taufpaten, die für die Kaffeejause einen Gugelhupf, Kiachl oder Krapfen vorbereiten. 

Das Ahnlkipferl zum Ahnlsonntag

Der erste Sonntag nach Ostern wird in vielen Regionen Österreichs bis heute noch als klassischer Familientag gefeiert. Am sogenannten „Ahnlsonntag“  kommt die ganze Familie bei den Großeltern zusammen – häufig ist dies auch der Termin für Erstkommunionen. Im Frühchristentum fanden an diesem Tag auch die meisten Taufen statt. In Anlehnung an die weißen Gewänder, die von den Täuflingen getragen werden, spricht man deshalb vom „Weißen Sonntag“. Am Ahnlsonntag erhalten die Kinder traditionell ein großes „Ahnlkipferl“ von ihren Großeltern. Bäckereien boten für diesen Ehrentag spezielle Germteig-, Butter- oder Weinbeerkipferl an. Im ländlichen Raum bekommen die Kinder auch heute noch einen Briochestriezel zum „Ahnlsunda“. Und jedes Mal wieder strahlen die Kinderaugen, wenn sie den Zucker ablecken und endlich in das köstliche Germteiggebäck beißen dürfen.