Das Geheimnis der Rauhnächte

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Mit der Wintersonnenwende am 21. Dezember beginnt wieder die mystische Zeit der Rauhnächte. Rund um diesen Ritus haben sich seit Jahrtausenden viele Mythen, Traditionen und Geschichten gebildet, die bis heute Teil der Weihnachtszeit sind.

 

Die Rauhnächte sind die Tage rund um den Jahreswechsel. Sie entfalten ihre Kraft an dem Punkt der Zeitlosigkeit, in der Sonne und Mondkalender aufeinander treffen. Vor Tausenden Jahren lebten die Menschen im Rhythmus des Mondes.

Ein Jahr aus zwölf Mondmonaten umfasst 354 Tage. Am Ende des Jahres bleiben elf Tage und zwölf Nächte übrig, um den Zyklus um die Sonne zu vollenden. Dort, an diesem magischen Punkt, tauchen wir in die Rauhnächte oder die zwölf heiligen Nächte zwischen den Jahren ein. In diesen Nächten steht die Zeit still, die Schicksalsfäden werden neu gewoben und die Menschen haben die Möglichkeit, ihr Leben neu zu ordnen und sich zu besinnen.

Die Rauhnächte fallen jedes Jahr in den Zeitraum zwischen 21. Dezember (Wintersonnenwende) und 6. Jänner („Wilde Jagd“). Meist wird in dieser Zeit an zwölf Tagen oder Nächten geräuchert. Dabei steht jede Nacht für einen Monat im kommenden Jahr. In diesen zwölf Nächten – so wird es überliefert – verspüren die Menschen etwas Mystisches. 

Mythen um die Rauhnächte

Um die Rauhnächte ranken sich viele Mythen: Wer sich etwa besonders sicher fühlen wollte, sollte Fenster und Türen verschlossen halten. Ebenso durfte im Haus keine Unordnung herrschen. Der Mythos, dass draußen keine Wäsche aufgehängt werden soll, hält sich vielerorts bis heute. Man glaubte, die Geister und Dämonen treiben in den Rauhnächten draußen ihr Unwesen und würden die Wäsche stehlen, um sie dann im Laufe des Jahres als Leichentuch für den Besitzer zu benutzen.

Die Wilde Jagd, bei dem das Geisterreich dem Glauben nach offen steht, durften keine Wäscheleinen gespannt werden, da sich in diesen die Seelen der Verstorbenen verfangen könnten. Eine andere Überlieferung besagt, dass besonders junge Frauen keine weiße Wäsche aufhängen sollten. Dadurch würde die Wilde Jagd angelockt und dann über die Frauen herfallen. Aber auch das Gute – die Gottmutter Frau Holle – auch Frau Percht genannt – schwirrt in den Rauhnächten mit einer Schar an Kinderseelen übers Land, blickt in die Stuben hinein und sieht nach dem Rechten.

Räuchern als Ritus

Mit dem Räuchern in den Rauhnächten wollen die Menschen seit jeher Unheil von Familie, Haus und Hof abwenden. Häuser und Ställe werden mit Schutzkräutern ausgeräuchert, somit könne nach der Räucherung wieder neue positive Energie einziehen. Beim Räuchern selbst werden Gebete gesprochen, um böse Hexen und Geister zu vertreiben. Als Räucherbasis werden verschiedene Kräuter und Harze verwendet, allen voran Weihrauch. Besonders am Dreikönigstag wird dem Brauch nach mit Weihrauch geräuchert. Die Zeit der Dunkelheit ist mit dem Dreikönigstag vorbei. Alles wurde gereinigt und erneuert und geht seinen gewohnten Gang.

Von Perchten und Krampussen

Wussten Sie, dass Perchten und Rauhnächte eng miteinander verbunden sind? Die Perchten sind Figuren aus der heidnischen Zeit mit germanischen Wurzeln. Die unheimlichen Gestalten sollen den Winter austreiben und sind Vorboten des Frühlings, da sie die immer stärker werdende Sonne willkommen heißen. Perchten sind daher vor allem in den Rauhnächten aktiv. 

Einst war die heidnische „Frau Percht” Gut und Böse in einer Person. Damals hüllte man sich in Masken – im Glauben die bösen Wintergeister vertreiben zu können. Während der Ausbreitung des Christentums wurden aus „Frau Percht“ der belohnende Nikolaus und der bestrafende Krampus.

Das Wort „Krampus“ geht auf zwei Erklärungen zurück: Im 19. Jahrhundert sagte man „krammen” für “mit Klauen packen” oder „verwunden”. Der Begriff könnte laut dem Kärntner Brauchtumsforscher Hartmut Prasch aber auch aus der k.u.k.-Monarchie stammen, wo griechische Kinder- und Hausmädchen aus gedörrten Zwetschken Teufelsfiguren herstellten und diese „Zwetschkenkrampus” nannten. Das griechische Wort „krampos” heißt „ausgedörrt”.

Perchtenumzüge im Alpenraum

Die Hochburg der Perchten liegt vor allem im Ostalpenraum, genauer gesagt in den Bundesländern Salzburg, Kärnten, Tirol sowie im Salzkammergut. Der Brauch breitete sich immer weiter aus und findet heute auch im restlichen Österreich sowie in Bayern, Slowenien, Südtirol und Oberitalien Zuspruch.
Krampus- und Perchtenläufe zählen zu den klassischen Einkehrbräuchen, es wird also von Haus zu Haus gezogen.

Große, jährlich wechselnde Perchtenumzüge mit den kunstvoll gestalteten Tafelaufsätzen der „Schönperchten” und den teuflischen „Schiachperchten” finden unter anderem im Salzburger Pongau statt. Im Pinzgau gibt es allgemein die „Tresterer”, speziell in Unken die „Stelzentänzer”, in Rauris die „Schnabelbercht”, im Unterinntal die „Perschtln”, im Ausseerland die „Berigln”, in Unterwart (Burgenland) die „Lutzln”, in der Ost-Steiermark die „Pudelmuatta”, in Unterkärnten das „Bechtrababa-Jagen” und auch das Glöcklerlaufen am Dreikönigstag im Salzkammergut zählt dazu.

Percht vs. Krampus – der feine Unterschied

Im Unterschied zu den Perchten, die in den Rauhnächten laufen, gehören die Krampusse ausschließlich zum Adventbrauchtum. Die Tradition der Perchtenläufe bezieht sich auf die Rauhnächte, in denen der Winter bzw. die bösen Geister des Winters und das alte Jahr ausgetrieben werden sollen. Als Utensil zum Austreiben verwenden die Perchten eine Glocke. Bekommt man von Perchten Besuch, so ist das – im Gegensatz zum Krampusbesuch – ein glücksbringendes Omen. Kein Grund zum Fürchten also.

Die wichtigsten vier Rauhnächte

  • 20./21. Dezember: Wintersonnenwende/Thomasnacht
  • 24./25. Dezember (Heiliger Abend, Christnacht, Vigil von Weihnachten)
  • 31. Dezember/1. Januar (Silvester)
  • 5./6. Januar (Vigil von Erscheinung des Herrn)