Bio-Bauernhof Familie Maier aus Neumarkt in der Steiermark

Ein Blick hinter die Kulissen

Der Wecker klingelt um 6 Uhr, falls er es vor den zwei Kindern schafft, nimmt er seine Kernaufgabe wahr und weckt die Landwirte Marco (33) und Jasmin (35) Maier. Der erste Weg führt gleich in den 30 Meter entfernten Hühnerstall, wo sich die 6000 Bewohnerinnen befinden, aufgeteilt auf zwei gleich große Ställe.

Seit rund einenhalb Jahren spiegelt dieses Prozedere den Beginn jedes Tages der jungen Familie wieder. Der gelernte Tischler und die gelernte Einzelhandelskauffrau bereuen ihre Entscheidung, einen Bio-Betrieb zu eröffnen, in keinster Weise. "Meine Eltern haben vor sieben Jahren von Milchkuhhaltung auf 6000 Bio-Hühner umgestellt. Ein gewagter Schritt, der sich aber gelohnt hat. Für uns war dieses Vorzeigeprojekt Ansporn genug, ebenfalls eine solche Investition zu tätigen", sagt Marco, der gemeinsam mit seiner Frau den Hof seiner Eltern Artur und Birgit in den nächsten Jahren komplett übernehmen wird.

Der Bio-Betrieb befindet sich im obersteirischen Neumarkt, am Fuße des Zirbitzkogels auf 1200 m Seehöhe. Aufgrund der Höhe und der Abgeschiedenheit fühlt man sich nach der ca. 1,5 km langen Fahrt abseits der Gemeindestraße nicht wie in einem Dorf - eher wie auf einer Alm. Inmitten von mehreren Hektar Grün- und Waldflächen stehen ein älteres Bauernhaus mit einer im oberen Stock zu einer Wohnung ausgebauten Garage und die Ställe, wobei der alte noch zehn Mutterkühe und die anderen beiden insgesamt 12000 Bio-Hühner beheimaten. Diese Eindrücke gepaart mit der scheinbar unendlichen Sicht vom Zirbitzkogel bis hin zu den Karawanken wirken für einen in der Stadt aufgewachsenen Menschen wie eine andere, aber durchaus reizvolle Welt. 

Auch die Hühner fühlen sich in dieser Umgebung sichtlich wohl. Entgegen vieler Meinungen, dass es zwischen den einzelnen Bezeichnungen der Eier (0 = Bio, 1 = Freiland, 2 = Bodenhaltung) keine merklichen Unterschiede gibt, sind diese sehr wohl vorhanden.

"Insgesamt benötigt eine Henne 10 m2 Auslauf im Freien. Bedeutet aufgerechnet, dass ich 6 Hektar eingezäunten Auslauf zur Verfügung stellen muss", erklärt der 33 jährige Landwirt. Außerdem steht den Hühnern ein Außenscharrraum zur Verfügung, der Platz im Freien bereit hält, wenn das Wetter nicht mitspielt. Eine Bio-Vorlage, der jedoch gerne nachgegangen wird, wie Jasmin erklärt: "Man merkt es am Verhalten unserer Hühner, dass diese Möglichkeit notwendig ist. Die Gesundheit und das Wohl unserer Hühner liegt klarerweise auch in unserem Interesse".

Zurück zur morgendlichen Tätigkeit: Wir begleiten Marco beim routinemäßigen Gang durch den Stall, man fühlt sich jedoch beobachtet. Egal ob links, rechts, oben oder unten.  In jeder Ecke wird man von einer Vielzahl von Hühnern beäugt. "An das gewöhnt man sich aber schnell", beruhigt der Hausherr. An die Luft im Stall kann man sich auch nur bedingt gewöhnen, trotz der integrierten Lüftungsanlage präsentiert sich die große Halle feinstaubig - Staubmasken helfen in diesem Fall, dass auch dieser Umstand zur Routine wird. Daneben fallen auch die Vielzahl der Lichtkörper auf, deren Steuerung mit dem Tagesablauf der Hühner zusammenhängt. Im Vorraum des Stalles bietet sich nach Verlassen der Hühner ein Bild, welches man in einem Stall eigentlich nicht erwartet. Extreme Sauberkeit und Technik, wohin man blickt. Ein Förderband bringt die gelegten Eier aus dem Stall. Diese werden mittels Förderstrecke zu dem sogenannten Farmpacker gebracht, wo nun der Landwirt die Sichtkontrolle (Dreck, Beschädigung etc.) vornehmen und gegebenenfalls handeln kann. Das Gerät sortiert die Eier in Lagen zu je 30 Stück ein. Nach der Stempelung, 0 für Bio und der Nummer des Betriebs, werden die Eier im separaten Raum für den schlussendlichen Abtransport gehortet.

"5474 Eier waren es heute, wir können zufrieden sein", blickt Marco in den PC und tippt das Ergebnis in die vorgefertigte Tabelle. Ab wann spricht man von einem guten Ergebnis? "Grundsätzlich rechnen wir mit 320 Eiern einer Henne/Jahr, sprich einer 87-prozentige Auslastung. Da spreche ich von einem sehr guten Jahr."

25 Stunden dauert der Vorgang eines Huhns, ein Ei zu produzieren. Immer unter der Prämisse, dass nach dem Legen eines Eis bereits sechs weitere in Vorproduktion im Körper eines Huhns sind. Für derartige Anstrengungen sind enorme Mittel erforderlich: "Ein Huhn benötigt 14 dag Bio-Futter und 230 ml Wasser am Tag. Auf die Gesamtzahl aufgerechnet bedeutet dies einen Futterverbrauch von 25 Tonnen und 40.000 Liter Wasser im Monat", klärt Jasmin auf.

Dass man als Käufer im Supermarkt davon ausgehen kann, dass die am Eierschachtel-Etikett angegebenen Aufschriften der Richtigkeit entsprechen, dafür sorgen viele Kontrollen unterm Jahr. 

"Jährlich wird der gesamte Bio-Betrieb auf die Rechtmäßigkeit überprüft, daneben gibt es noch die Kontrolle des Gütesiegels Tierschutzgeprüft und die AMA- Kontrolle. Vierteljährlich unterziehen sich die Eier noch dazu einer Salmonellenprüfung. "Die ständige Eigenüberwachungskontrolle im täglichen Betrieb übernehme ich selbst", sagt Marco zum Abschluss unseres Lokalaugenscheins, so kann die hohe Qualität immer gewährleistet werden!

Mehr Informationen bei Rene Maier, Sohn von Artur und Birgit Maier: maier.rene@gmx.net